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(Besitzer
eines Liege-Dreirads, 2025)
Sport
knapp über dem Asphalt
Man kann richtig
geil driften. Ulf Schiefelbein schwärmt von seinem Fahrrad:
Es macht total Spaß. Schiefelbein ist auf einem
außergewöhnlichen Gefährt unterwegs, einem Scorpion
von HP Velotechnik. Das ist ein Liegerad mit drei Rädern: zwei
vorne, eins hinten. Angst vor Stürzen braucht der Itzehoer
nicht zu haben: Mit dem niedrigen Schwerpunkt ist Umfallen so gut
wie unmöglich.
Ulf Schiefelbein ist begeistert, wie schnell er unterwegs ist: 30,
40 Stundenkilometer sind auf der Kiste kein Problem. Dabei
hilft, dass er bei seiner Sitzposition knapp über dem Asphalt
weniger Luftwiderstand überwinden muss als ein normaler Radfahrer.
Wenn er Spurbahn fährt, bin ich schneller; sonst er,
sagt seine Frau Inken, ebenfalls eine begeisterte Radfahrerin, allerdings
auf einem normalen Zweirad. Auf Spurbahnen und im Wald läuft
mindestens eins der Vorderräder des Scorpions auf der Bankette.
Im Matsch und im Dünensand ist Schiefelbein auch schon eingesunken,
dann muss er mühselig schieben. Als Abhilfe hat er die breitest
möglichen Reifen montiert.
Der Itzehoer ist technikaffin. Als erstes hat er an seinem Dreirad
das vordere Kettenblatt gegen ein kleineres ausgetauscht. Jetzt
kann er auch im Fußgängertempo noch normal schnell treten.
Die niedrige Übersetzung hilft auch bergauf, denn im Liegerad
funktioniert kein Wiegetritt, also das Fahren im Stehen. Man
braucht hier, sagt Schiefelbein und klopft sich auf den Oberschenkel.
Als ehemaliger Marathonläufer hat er hier.
Fahrrad ist er schon mein Leben lang viel gefahren.
2018 musste er damit allerdings aus gesundheitlichen Gründen
aufhören. Sein Bruder hatte damals einige exotische Räder,
die Ulf Schiefelbein ausprobierte: ein Liegerad mit zwei Rädern
und ein Liege-Dreirad. Das Zweirad fand er gewöhnungsbedürftig,
das Dreirad überzeugte ihn: eine echte Alternative, endlich
wieder Fahrrad zu fahren.
Schiefelbeins nutzen ihre Räder für Urlaubsfahrten, Tagestouren
in den Naturpark Aukrug und im Alltag. Wobei der in Itzehoe mit
dem Fahrrad und mehr noch mit dem breiteren Liegerad sehr mühselig
ist, klagen beide.
Einen Motor haben weder Ulf noch Inken Schiefelbein in ihren Rädern.
Zum einen bringt der ziemlich viel Gewicht mit sich, zum anderen
wollen die beiden sich bei ihren Urlaubstouren nicht ums Aufladen
kümmern müssen. Ulf Schiefelbein nennt ein weiteres Argument:
den sportlichen Aspekt. Ich mag auch mal erschöpft sein.
Aber sie achten auf hochwertige Komponenten an ihren Rädern.
Inken Schiefelbeins Rad hat einen Tretlagerschaltung und einen Zahnriemen
statt Kette. Ulf Schiefelbein setzt auf eine Nabenschaltung mit
14 Gängen. Vorne hat sein vollgefedertes Dreirad Einzelradaufhängung,
für den Überblick hat er zwei Spiegel montiert.
Hinten ragt eine Fahne an langer Stange weit nach oben. Das
Problem heißt Autofahrer, sagt Schiefelbein. Ich
wäre bestimmt schon vier oder fünf Mal überfahren
worden, wenn ich nicht aufgepasst hätte, beschreibt er
eine Folge seiner tiefen Sitzposition: Er wird übersehen. Und
er kann selbst nicht über parkende Autos hinwegsehen, beim
Abbiegen oder Ausweichen muss er sich aufsetzen und sorgfältig
gucken.
Für Pausen hat er seinen Gartenstuhl immer dabei, sagt Schiefelbein:
Auf dem parkenden Liegerad kann er bequem sitzen. Wenn er denn die
Parkbremse angezogen hat, damit es nicht wegrollt. Schwierig ist
der Transport; obwohl sein Modell sich zusammenfalten lässt,
bleibt es ein unhandliches und schweres Paket. Passende Fahrradträger
sind Einzelanfertigungen und dementsprechend teuer.
Ein Liegerad ist kein akzeptiertes Massenprodukt weiß
Ulf Schiefelbein. Aber es gibt im Kreis Steinburg einen Spezialisten
für diese Spezialräder, Arved Klütz in Wrist. Der
stellt unter dem Namen Toxy selbst Liege-Zweiräder
her und verkauft zusätzlich Liege-Dreiräder der Marken
HP Velotechnik (zwei Räder vorn) und Hase (zwei Räder
hinten). Man braucht einen Händler, der es pflegt,
sagt Ulf Schiefelbein. Und der sich mit den hochwertigen Komponenten
auskennt.
Der Spaß auf drei Rädern ist nicht billig. Ein voll ausgestattetes
Scorpion kostet leicht an die 8 000 Euro. Allein die Lichtanlage
mit Nabendynamo und LED-Lampen schlägt mit fast 700 Euro zu
Buche, die 14-Gang-Nabenschaltung mit knapp 1 900. Ulf Schiefelbein
relativiert die Preise: Wer in diesen Bereich geht, der muss
Geld in die Hand nehmen, auch beim Zweirad. Das Fahrrad, das
seine Frau gebraucht gekauft hat, kostet neu auch rund 5 000
Euro.
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