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Anwohner vor dem Werner Rennen


„Wir alle scheitern irgendwann.“
XXL-Papierschiff kentert im Fluss

„In manchen Situationen erkennt man sich wieder.“
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„Wir haben unsere Zäune bekommen.“
Werner Rennen Anwohner

(Anwohner am Flugplatz Hartenholm bereiten sich auf das Werner Rennen vor; 2018)

Lene Reimers mit Armband

„Da ist mal was los im Dorf“

„Wir haben unsere Zäune bekommen“, damit ist für Karen Balschuhn das Wichtigste erledigt. Jetzt will sie sich überraschen lassen, die Vorbereitungen sind schon in vollem Gange. Das Feld hinter Balschuhns Einfamilienhaus ist komplett von Bauzaun umgeben, an einer Ecke prangt ein Plakat und weist darauf hin, was hier in wenigen Tagen passieren soll: Werner, das Rennen 2018 auf dem Flugplatz Hartenholm.
Einige Anwohner haben schon klar gemacht, was sie von der Großveranstaltung in ihrer Nachbarschaft halten: Sie haben versucht, das Rennen gerichtlich zu stoppen. Damit sind sie gescheitert. Diese Ablehnung versteht Eva Izquierdo nicht. „Das stört mich nicht, wenn da Lärm kommt“, sagt sie: „Das ist ein Mal in 30 Jahren.“ Izquierdo wohnt direkt am Geschehen, hinter ihrem Haus wird gezeltet werden, das Flugfeld kann sie von ihrer Grundstücksgrenze aus sehen. Sie freut sich schon auf die Veranstaltung: „Da ist mal was los im Dorf“.
Auch bei ihr waren die Arbeiter mit den Zäunen schon: „Ganz nette junge Leute“ haben das Grundstück der Rentnerin eingezäunt und ihr sogar ein Rolltor auf die Auffahrt gestellt. Vom Veranstaltungsgelände aus verhindern Sichtblenden an den Zäunen den Blick in den Garten der Izquierdos.
Karen Balschuhn hat schon geplant, wie ihre Familie die kommenden Tage überstehen wird: „Man wusste es ja weit genug im Voraus“. Punkt 1: „Jetzt Großeinkauf“, denn ab Mittwoch, null Uhr, wird die B 206, an der sie wohnt, gesperrt. Anwohner dürfen dann zwar immer noch durch, aber nur Richtung Segeberg. Ob sie die Nebenstrecken benutzen kann, weiß Balschuhn noch nicht.
Ihr Mann Holger Reiners hat ab Mittwoch Urlaub, sie selbst ab Donnerstag. Für die beiden Töchter Stine (10) und Lene (12) läuft die Schule allerdings weiter; Karen Balschuhn ahnt Schlafmangel voraus. Aber alle Familienmitglieder wollen an allen vier Tagen zum Rennen gehen, Stine zeigt das Armband, das Nachbarn freien Eintritt verschafft.
„Solange sie mich auf meinem Hof in Ruhe lassen, bin ich zufrieden“, sagt eine andere Anwohnerin. Sie erinnert sich mit Grausen an das Rennen vor 30 Jahren: „Ich möchte nicht wieder auf der Terrasse sitzen und auf nackte Hintern gucken.“ Damals gab es zu wenige Toiletten, das kleine Wäldchen an ihrem Garten wurde als Ersatz genutzt. Auch das sollen diesmal Zäune verhindern.
Uwe Bebensee wohnt ein Stück weiter weg: „Die Kernzone ist hinter meinem Haus zu Ende.“ Freuen mag er sich nicht, ihm steckt auch noch die Erinnerung an 1988 in den Knochen. Aber er räumt ein: „Anscheinend ist das ja besser durchorganisiert“. Er wäre gern früher von der Gemeinde informiert worden, aber jetzt nimmt er es pragmatisch: „Zum Einkaufen fahre ich am Dienstag, das reicht für eine Woche.“ Sein Fazit: „Nächste Woche ist das vorbei, und denn ist gut.“
Das glaubt Karen Balschuhn allerdings nicht: „So viel Aufwand betreiben die nicht für ein Mal“, vermutet sie. Tatsächlich haben die Veranstalter schon angedeutet, dass auf dem Flugplatz Hartenholm weitere Veranstaltungen stattfinden könnten.

Lene Reimers mit Armband

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