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Mama, was sind Nazis?


Sportliches High-Tech für Rad-Individualisten
Liege-Dreirad

Mütter bedrucken T-Shirts für die stille Mehrheit
Toleranzinitiative

"Es blutet einem schon das Herz."
Pferdeautkion

„Ich komme ja sonst nicht zum Einkaufen.“
Malteser-Service

(Elterninitiative in Barmstedt, 2025)

Kristain Bader

Elterninitiative für Toleranz

„Mama, was sind Nazis? Kann Krieg kommen?“ Was antwortet man als Eltern auf solche kindlichen Fragen? Inga Buchmann-Schlegel wollte lieber erklären, was gut ist, anstatt das Negative zu betonen. „Welche Werte wollen wir den Kindern vermitteln?“, Nathalie Klatte will das „dafür“ definieren. Ihre Kernbegriffe lauten Vielfalt, Weltoffenheit und Toleranz. Weniger gravitätisch formuliert: „wenn man sich ins bunte Leben stürzt“, neue Menschen kennen lernt und viel zurück bekommt.
Butzmann-Schlegel und Klatte beließen das große Thema nicht im Privaten. Im Dunstkreis der Elterninitiative „Rasselbande“ gründeten sie die Arbeitsgruppe: „Barmstedt ist bunt“. Ihr Vehikel, um ihre Botschaft an die Frau und an den Mann zu bringen: T-Shirts, im Siebdruck mit bunten Regenbögen und dem Slogan: „Barmstedt ist bunt“ bedruckt. Um 90 Grad gedreht, bilden die Bögen ein B – für Barmstedt und für bunt.
Die Idee schlug ein. Beim Großereignis Sporttag am kommenden Sonntag ((19. 1.)) werden alle Trainer und Helfer Regenbogen-T-Shirts tragen. 120 Stück haben die Aktiven in einer Sonderedition mit einem „Sport“- Schriftzug bedruckt. „Ohne Vielfalt im Sportverein gibt es keinen Sport“, stellt Inga Buchmann-Schlegel klar. Sie ist Geschäftsführerin des größten Sportvereins der Stadt, des BMTV.
Im vergangenen Juni setzten sie sich zusammen, seitdem stellt Buchmann-Schlegel fest: „Viele haben gewartet, dass das jemand in die Hand nimmt.“ Sie waren beim Regionalmarkt mit einem Stand vertreten, die meisten Geschäfte hatten ihr Plakat: „Wir sind offen“ aufgehängt. Sie haben ihren Siebdruck-Rahmen in der Bücherei aufgebaut, im Unverpackt-Laden und im Gymnasium bei der Feier als „Schule mit Courage“. Beim Sporttag werden sie dabei sein, Ende Januar kommen sie wieder in die Bücherei.
Ein T-Shirt mitbringen, bedrucken und dann tragen. „Das ist eine Möglichkeit für die Leiseren, sich zu positionieren“, sagt Inga Buchmann-Schlegel. „Die Lauten sind ja meist nicht in der Mehrheit.“
Die Mehrheit in der Gesellschaft sichtbar machen ist der eine Gedanke. Aber für Nathalie Klatte ist „viel wichtiger, dass wir uns darüber austauschen“. Darum ist der Kontakt zu den Barmstedter Schulen die nächste Etappe für den Arbeitskreis. Den sozialen Medien etwas entgegen setzen. Inga Buchmann-Schlegel will „positiv formulieren“ als Gegenpol zum negativen Sprachgebrauch, der sich breit gemacht hat.
„Wir sind recht unbedarft gestartet“, stellt Buchmann-Schlegel fest. Jetzt sind sie mit ihrer Initiative gefragt und überlegen, wie es weitergehen soll. „Ein Stammtisch wäre ganz schön“, sagt Nathalie Klatte. „Mit Ideen kann jeder an uns herantreten“, lädt Buchmann-Schlegel ein. „Ob daraus ein eingetragener Verein wird“, das hält Klatte nicht für unmöglich.

Kristian Bader

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