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Männerabend


„Wir alle scheitern irgendwann.“
XXL-Papierschiff kentert im Fluss

„In manchen Situationen erkennt man sich wieder.“
Männerabend

Jahresurlaub auf dem Häcksler
Maisernte

„Wir haben unsere Zäune bekommen.“
Werner Rennen Anwohner

(Rezension: "Männerabend" mit Kristian Bader und Martin Luding; 2018)

Kristain Bader

Was man beim Feudeln falsch machen kann

„In manchen Situationen erkennt man sich wieder“, freute sich Juliane Laudenbach. Zum Beispiel beim Stoßseufzer des verlassenen Ehemanns auf der Bühne: „Was kann man beim Feudeln falsch machen?“ Zuschauerin Laudenbach wusste es, hatte sie ihren Mann bei solcher Gelegenheit doch schon mal gefragt: „Kannst du dir nicht die Hände abtrocknen, bevor du die Türklinke anfasst?“
Die Großenasperin fand den „Männerabend“ am Sonnabend im Bad Bramstedter Kurhaustheater „super gut“, „total witzig“ und „treffend beschrieben“. Diese Begeisterung teilte sie mit mehr als 400 Besuchern im ausverkauften Haus: Viel Beifall und Szenenapplaus machten deutlich, dass sich die Besucher bei dem Theaterstück gut amüsierten.
Auf der Bühne standen Kristian Bader und Martin Luding, zwei Schauspieler, die beide als „Caveman“ unterwegs sind. „Männerabend“ ist ein Theaterstück in fünf Akten, das Luding 2005 gemeinsam mit Roland Baisch und Michael Schiller geschrieben hat. Bader spielte darin Tom, einen Allerweltsmann, der plötzlich von seiner Ehefrau verlassen wird und das nicht versteht: „Ich habe zwei Mal unseren Hochzeitstag nicht vergessen!“, rühmt er sich.
Luding übernahm mehrere Rollen, die allesamt schräg daherkamen: vom Cowboy mit langem Staubmantel und Ukulele über ein singendes Telegramm in schlechtem Elvis-Look bis zum alten Bekannten Jörg, einem heruntergekommenen Schmerbauchträger mit billiger blonder Perücke, der den Weggang seiner Ehefrau nicht verkraftet hat. Diese Gestalten begleiteten die Stationen des sitzengelassenen Tom: die ungläubige Verzweiflung, die Trauer, das Aufbäumen, das Suchen nach neuen Lebensinhalten.
Die Gags sind durchwachsen; von alten Bekannten: „Martina hat sich in Kneipen herumgetrieben“ - „Alkoholikerin?“ – „Sie hat mich gesucht“ über nette: „Du nennst es Unaufmerksamkeit, ich nenne es Toleranz“ bis zu guten: „Nur, wenn du ein Problem hast, kannst du daran arbeiten!“. Wichtiger und schöner war, was Bader und Luding aus ihrem Text machten und wie sie ihn mit körperlichen Einlagen ergänzten. Sie schafften es, ihr Publikum einen Abend lang mit absurdem, brachialem und klugem Spiel zu begeistern.
Das gelang ihnen mit ihrer unglaublichen Bühnenerfahrung, ihrer Spielfreude und Geistesgegenwart. Es war unübersehbar, dass die beiden da oben an diesem Abend ebenfalls ihren Spaß hatten. Die Musik vom Pink Panther erklang, ein Polizist schlich sich in eine Wohnung und legte zum lasziven Mittelteil des Liedes einen sehr komischen halben Strip hin, während der verschreckte Wohnungsinhaber sich auf dem Boden in Richtung Tür schlich. Oder Baders Gymnastik-Einlage im Fitnessstudio: zunächst unbeholfenes Stolpern zu aktueller Musik, aber als ein 70er-Jahre-Disco-Hit ertönte, hottete er dann wunderbar ab.
Das Sahnehäubchen auf dem Abend waren die spontanen Einlagen. Die zickige Tonanlage störte gleich mehrfach den Ablauf, der Umgang der Schauspieler damit auf offener Bühne war mehr als souverän; man wünschte den beiden für künftige Aufführungen geradezu technische Pannen. Dieser Spirit schlug sogar aufs Publikum über. Tom sucht seine Frau in der dunklen Wohnung: „Sag’ mal ‚Piep‘, dann suche ich dich!“ – die Szene musste Bader wegen Knackens abbrechen, sein Gerät richten und neu starten. Und beim zweiten Anlauf tönte tatsächlich ein „Piep“ aus dem Saal. Luding kommentierte einen anderen Neustart einer Szene, wieder wegen Tonproblemen, mit der Anweisung ans Publikum: „Sie haben das noch nie gesehen!“ Verdienter Szenenapplaus belohnte sie für diese Einlagen.
„Sehr kurzweilig, gute Pointen, die sind spontan“, freute sich Markus Zloch aus Mönkloh in der Pause: „Das mit dem Mikro haben sie sehr gut gemeistert.“ Marie-Luise Schade aus Bremervörde staunte: „Mit so wenig Bühnenausstattung ein tolles Theaterstück hinzukriegen!“

Kristian Bader

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